Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke – Joachim Meyerhoff

Der Gesichtsausdruck dieser in die Kamera schauenden Schwimmerin ist kaum zu beschreiben, geschweige denn zu malen. Ihr Lächeln scheint im Moment der Aufnahme echt, ohne an seinen Gebrauch gewohnt zu sein. Ob die schöne, starke Frau auf dem Cover von Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke von Joachim Meyerhoff seine Großmutter, seine Mutter oder eine ganz andere Frau zeigt, bleibt offen. In diesem dritten Teil der Alle Toten fliegen hoch – Reihe ist Joachim ein junger Erwachsener, der nach München zieht, um dort die Schauspielschule zu besuchen. Aufgrund der hohen Mietpreise zieht er in das herrschaftliche Haus seiner Großeltern, wo er die nächsten drei Jahre verbringen wird. Von diesen Jahren in der Schauspielschule, dem Leben mit seinen Großeltern und seinem Umgang mit dem Verlust handelt der Roman.

Es konnte passieren, dass sie wie von einem tiefen Schmerz durchdrungen den Blick in die Ferne schreiten ließ, so langsam die Arme hob, dass nicht einmal die goldenen Armreife aneinanderklackten, und erst, als sie sicher war, dass alle am Tisch gebannt zu ihr sahen, sagte: »Moooahhhh…«, und dann, nach einer langen, spannungsgeladenen Pause, »der Brie ist ja ein Gedicht heute Abend«.

Meyerhoffs Großmutter, die Schauspielerin Inge Birkmann, nimmt eine zentrale Rolle in der Geschichte ein. Die extravagante Grand Dame und ihr Ehemann bilden mit ihren speziellen Eigenheiten ein unfassbar komisches Paar, das der Autor mit viel Gespür für Details und Humor porträtiert.

Joachims Studium an der Schauspielschule verläuft katastrophal. Während seine Mitschüler*innen ein natürliches Talent zum Atmen, Sprechen und Spielen zu haben scheinen, versagt er in jeder Disziplin bis auf Kampfsport. Die Leserin ist sich des späteren Erfolgs des Schauspielers natürlich bewusst, weshalb Meyerhoffs Niederlagen und Verdruss sie zum Schmunzeln bringen. Die Geschichten, wie er Effi Briest als Nilpferd sprechen oder Faust als Sexorgie darstellen soll, sind so lustig wie absurd.

Auch mir offenbarte sich hin und wieder allein beim Aussprechen meines Namens die Abgründigkeit der ganzen Welt.

Wie schon bei den ersten beiden Bänden hat Ach diese Lücke… bis zum Ende sehr viele lustige Momente. Besonders die Dialoge mit seinen Großeltern sind wirklich zum Wegschmeißen. Doch auch hier wird es zum Ende hin thematisch schwerer. Das Thema des Todes zieht sich wie ein roter Faden durch die drei Bücher. Das führte dazu, dass mich schließlich alle drei Bände mit melancholischer Stimmung zurückgelassen haben. Ich habe viel nachgedacht, über mein Leben, meine Familie und die großen und kleinen Entscheidungen. Dabei habe ich laut gelacht und war am Ende gerührt. Ich freue mich schon sehr auf den vierten Band, der im Herbst bei @kiwi_velag erscheinen wird.

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