Der Club – Takis Würger

Der Club von Taxis Würger hat in erster Linie richtig Bock gemacht. Als ich den Roman begann, war ich schon nach wenigen Seiten super froh – endlich wieder mal ein Buch, das ordentlich knallt und das in einem Rutsch durchgelesen werden will.

Der Schlamm klebte zwischen unseren Handflächen, und ich glaube, dass wir uns zusammen besser fühlten als allein.

Das liegt zu einem großen Teil an der Sprache: wie der Protagonist Hans, boxt auch der Text um sich herum, als gäb’s kein Morgen. Brutale, bedeutende und auch tragische Szenen werden einem kurz und knapp in die Fresse gehauen. Da kann die Leserin entscheiden, ob sie getroffen und bestürzt über die mangelnde Tiefe des Moments zurückweicht – oder ob sie die Schultern zuckt, kurz den Kopf schüttelt und halt einfach weiter macht. Letzteres ist in diesem Fall zu empfehlen.

Damals interessierte ich mich, je nach Laune, für Raubtiere oder für Brüste. Wenn ich so überlege, gibt es, glaube ich, keine bessere Zeit im Leben als diese am Ende der Kindheit.

Sprachlich ist auch interessant, dass alle 1-2 Seiten die Perspektive und somit der Ich-Erzähler wechseln. Mal ist es der Waise Hans, der ein kriminelles Geheimnis in einer Studentenverbindung aufdecken soll – mal seine neurotische Tante, die ihn dazu überredet hat oder fast jeder andere Charakter, der eine halbwegs wichtige Rolle in dem Roman spielt. So mögen Story und Charaktere auf den ersten Blick klischeehaft, plakativ und oberflächlich wirken. Doch durch die geschickte und handwerklich gut gemachte Erzählweise kommt den Charakteren eine überraschende Tiefe zuteil, die einige Grautöne zulässt.

 

Taxis Würger: Der Club. Kein & Aber 2017. 240 Seiten, €22,00.

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