Jürgen – Heinz Strunk

Dose, Jürgen Dose. Wohnt in Hamburg-Harburg bei seiner bettlägerigen Mutter und hat es nicht einfach. Als Parkhauswächter ist sein Job eher eintönig, seine Mutter und deren Pflegerin machen ihm das Leben schwer und sein bester, weil einziger Freund will sich immer nur zanken. Aber Jürgens größtes Problem sind die Frauen, die nicht vorhandenen.

Doch Jürgen verzagt nicht – als wirklich lieber Typ geht er lächelnd durch den Tag und zieht sich offenbar jede Menge billige Ratgeber rein, die ihn zum Frauenversteher machen sollen. Diese Weisheiten gibt er in inneren Monologen zum besten, während er Speed-Datet, online-Datet, in seinem Stammlokal Kamin21 mit anderen Abgehängten philosophiert oder im Parkhaus die Parkenden zu deuten versucht. Das kann sogar ab und zu ganz tiefgründig sein, aber im nächsten Moment ist es dann ein Satz wie „immer bohren, immer sägen, immer dran bleiben, bis die Kiste fliegt“.

Das ganze in typischer Strunk-Manier in kluge, aber lustige Sätze verpackt

macht ziemlich viel Spaß zu lesen. In der ersten Hälfte des Buches war ich noch etwas zwiegespalten, da mir eine Handlung ge

fehlt hat. Es lohnt sich aber durchaus, den Alltag, die Gedanken und auch ein wenig die Lebensgeschichte von Jürgen kennenzulernen, bevor im zweiten Teil „was passiert“. Strunk hat sehr schön seine Alter Ego – Figur Jürgen porträtiert, die neben den ganzen albernen Sprüchen auch mal Tiefe durchblicken lässt. Aber nie zu lange, sonst wäre es zu sentimental und kein Strunk mehr. Für alle Strunk-Fans: rein damit in die Birne. Für alle, die einfach Fan von dem goldenen Handschuh waren: weniger Ekel, weniger Story, mehr von diesen völlig bescheuerten und dabei klug formulierten, witzigen inneren Monologen. Macht Bock! .

 

 

Heinz Strunk: Jürgen. Rowohlt 2017. 256 Seiten, €19,95.

 

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