Minimalismus im Bücherregal – 6 Tipps zum Ausmisten

„Heute schmeiß ich alles weg. In den Müll. So viel werfe ich weg, dass meine Wohnung sich statt wie eine 2-Zimmer Mietwohnung im Raum Köln wie ein riesiges Penthouse* in zentraler Lage anfühlt. So viel werfe ich weg, dass ich nie wieder aufräumen muss, nur noch manchmal Staubwischen. Denn ich werde ja nichts mehr zum Aufräumen haben.“

Ausmisten like it’s Neujahrsputz

Als ich von dem Minimalismus-Hype hörte (viel zu spät übrigens, wie von den meisten Trends), mistete ich radikal aus. Ich spendete die Hälfte meiner Schlaf- und Wohnzimmermöbel an ein Kaufhaus für Bedürftige, was sich als sehr praktisch herausgestellt hat, da sie die Möbel nicht nur abgeholt, sondern auch abgebaut haben. Was für eine Befreiung – mein Schlafzimmer wurde plötzlich zu einem betretbaren Raum, in dem ich jetzt sogar Platz für Yoga habe. Meine Kleidung übergab ich zu einem sehr großen Teil dem Deutschen Roten Kreuz (Tipp: Einfach vorbeibringen, Säckeweise. Die nehmen alles. Und bitte, bitte nicht in die Altkleider-Container!) und faltete die übriggebliebenen Stücke nach der Konmari-Methode, während ich das passende Hörbuch Magic Cleaning von Marie Kondo hörte. Einmal zum Wertstoffhof gefahren, und ich war alle alten Elektrogeräte und sonstigen Kram, den niemand mehr gebrauchen kann, umweltfreundlich los. Alle übrigen Gegenstände, die noch gut waren, für die ich aber keine Verwendung hatte, legte ich in den Hausflur „zum Verschenken“ oder verkaufte ich online.

Ich brauchte lediglich etwa 2-3 Tage – und es war, als wäre ich umgezogen. Penthouse. Premium! Viel mehr Platz, viel mehr Raum, megagut. 

…Wirklich ALLES raus? 

Bei all den eben aufgezählten Gegenständen fiel es mir erstaunlich leicht, mich zu trennen. Alte Geburtstagskarten von der Familie? Altpapier. Sie haben ihren Zweck erfüllt und mir an meinem zwölften Geburtstag eine Freude gemacht. Reicht. Mein Abiball-Kleid? Hau mir ab damit. So geil war das damals nun auch nicht.

Du ahnst, worauf das hier hinausläuft. Denn es gab eine Kategorie, von der es mir unglaublich schwerfiel, mich zu trennen: meine Bücher. Die habe ich doch über so viele Jahre gesammelt, Geld für sie gespart und mit Freude ausgegeben, sie alphabetisch sortiert in mehrere Regale gestellt und es immer wieder genossen, sie bei mir zu haben. Sie haben mich auf Reisen und in der U-bahn begleitet, die Jahre als Pendlerin haben nur sie mir erträglich gemacht. Meine Bücher sind vollgekritzelt, abgeknickt und mit Kaffeeflecken versehen. Die meisten habe ich mehrfach verliehen, wodurch sie noch mehr Charme gewannen. Ich stellte mir die Frage, ob ich diesen Schritt gehen möchte: Alle Bücher verschenken, die nicht zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehören oder die ich für die Uni benötige. Puh.

Aber ich wollte doch so gerne eine aufgeräumte und leerere Wohnung haben. Diese staubansetzenden Bücherstapel überall waren mir plötzlich ein Dorn im Auge. Also beschloss ich, es anzugehen. Möchtest du auch deine Wohnung minimalistisch ein- bzw. ausrichten? Dann habe ich hier eine kleine Anleitung, wie es für mich funktioniert hat. 

6 Tipps zum Ausmisten des Bücherregals 

1.     Geh es langsam an. Deine Bücher sind ein sentimentales, hoch emotionales Thema. Sei dir bitte immer bewusst, dass du nichts weggeben musst. Wenn es zu sehr schmerzt, behalte es.

2.     Scanne deine Regale ganz grob. Welche Bücher fallen dir sofort ins Auge, die dir wirklich gar nichts bedeuten? Ein billiges Kochbuch, das du mal im Angebot gefunden und nie hineingeschaut hast. Der 90er Jahre-Bildband „Bodybuilding für die Frau“, den du beim Schrottwichteln bekommen hast und der irgendwie schon ganz witzig ist. Der Duden (braucht niemand mehr, kann man googeln). Nimm sie alle aus dem Regal und bilde einen Stapel neben deiner Wohnungstür. Dein Regal wird schon viel schmaler oder?

3.     Hör auf dein Gefühl. Jetzt wird es schon schwieriger. Und es wird dauern, denn ich rate dir: Nimm jedes einzelne Buch einmal in die Hand. Ich weiß, bei einigen von euch wird das Jahre dauern, besonders bei jenen, die Buchhändler*innen sind und seit Jahrzehnten sammeln, als gäb’s kein Morgen. Tu es dennoch. Nimm das Buch in die Hand, streiche darüber und stell dir die Frage: „Bringt mir dieses Buch noch Freude?“. Ist deine Antwort ja, behalte es. Lautet sie nein, auf den Stapel.

4.     Weg damit. Verschenke oder verkaufe deinen Stapel, damit du es dir nicht mehr anders überlegen kannst. Dann schlafe eine Nacht. Oder zwei!

5.     Repeat. Mit ein paar Tagen Abstand kannst du dir dein nunmehr einigermaßen schlankes Regal nun noch einmal vornehmen. Die Bücher, die hier jetzt noch stehen, tun dir alle gut. Oder? Schau dir noch einmal jedes einzelne Buch an und stelle dir eine weitere Frage: „Warum bringt mir dieses Buch Freude?“ Lautet die Antwort: „Weil es mir ein schönes Gefühl gibt, wenn ich es dort im Regal sehe“ oder „weil ich so gerne immer mal wieder dort hineinschaue und nach bestimmten Passagen suche“: Behalte es! Doch es gibt auch eine Reihe von weiteren Antworten, die dir zeigen, dass du dein Buch besser auf einen neuen Stapel neben der Haustür legen solltest:

  •  „Ich habe es geschenkt bekommen“. Wenn du so ein schlechtes Gewissen hast, das geschenkte Buch auszusortieren, dann frag doch einmal die Person, die dir das Buch geschenkt hat, ob es für sie in Ordnung wäre, wenn du es weggeben würdest. Oder versetze dich imaginär in diese Situation. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird sich die Person freuen, wenn das Buch in andere Hände gelangt, die auch wirklich darin lesen. Es ist wie mit der Grußkarte: Das Buch hat seinen Zweck erfüllt, als es dir geschenkt wurde. Du hast dich darüber gefreut.
  • „Es erinnert mich an eine bestimmte Person/Zeit/Ort“. Wirst du die Erinnerung verlieren, sobald das Buch weg ist? Wohl kaum. Auch hier gilt: Die Aufgabe des Buchs war, dir eine gute Zeit zu verschaffen. Aufgabe erledigt. Tschüss.
  • „Ich werde es irgendwann noch (mal) lesen“. Nein, wirst du nicht. Ernsthaft: Wie lange steht es da schon und will gelesen werden? Wenn du es jetzt noch nicht gelesen hast, wirst du es auch niemals tun. Und wenn doch: Besorg es dir halt erneut.

6.     Verabschiede dich. Gerade die Bücher, mit denen du etwas verbindest, verdienen es, dass du dich bei ihnen bedankst. Du musst nicht gleich mit ihnen laut reden (Ich meine, wenn du Bock drauf hast: Go for it…), aber ein wertschätzendes, gedankliches „Danke, mach’s gut“ haben sie verdient. Und du brauchst keine Scham oder schlechtes Gewissen verspüren. 

Aus den Augen, aus dem Sinn

Es gibt keine ideale Zahl der zu besitzenden Bücher. Jede*r muss die Frage nach der Büchermenge ganz individuell für sich entscheiden. Wichtig finde ich, dass du deine Regale nicht deswegen behältst, um anderen Leuten zu imponieren und um #shelfies auf Instagram posten zu können. Du möchtest ja auch niemanden verurteilen, der/die wenige Bücher im Regal stehen hat, oder? Ob Hausbibliothek oder Zahnarzt-Wartezimmer – solange du dich wohlfühlst, ist sowieso alles erlaubt. Aber eins kannst du mir glauben: Sobald du einen Gegenstand, selbst ein Buch, nicht mehr im Regal stehen hast, wirst du es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht vermissen. Denn aus den Augen ist wirklich aus dem Sinn. Stattdessen hast du vielleicht noch ein kleines Regal, das deine absolute Schatzkiste zeigt. Es befinden sich nur noch Bücher in deiner Wohnung, die dich mit Freude erfüllen und über die du stolz zu Besucher*innen sagen kannst: Ja genau, das sind meine Lieblingsbücher. 

Zu guter Letzt möchte ich unbedingt noch von dir wissen: Hast du noch Tipps zur Vereinbarung von Minimalismus und Büchersammelwut? Hast du dir deshalb ein e-book angeschafft? Oder magst du Bücher ausmisten so gar nicht und behältst alle Schätze, deine Wände bestehen aus Bücherregalen? (Obwohl ich ja glaube, dass du den Artikel dann nicht bis hier hin gelesen hast). Ich freue mich auf deine Antworten auf dem Blog und/oder auf Instagram.

* Was ist überhaupt ein Penthouse? Jedenfalls wohnen da fancy Leute in Upper Manhatten drin oder so. Mit Blick auf den Central Park.

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  1. Pingback: Bücher auf der Suche nach einem liebevollen Zuhause – Wunderliteratur

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