Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war – Joachim Meyerhoff

Ein kleiner, bebrillter Junge, der einen schlafenden Hund auf dem Arm hält, als wäre er das kostbarste, was er hat. Beim Abmalen des Buchcovers von „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ von Joachim Meyerhoff, wurde mir ganz wohlig ums Herz. Die Geborgenheit, die beide Kreaturen einander zu geben scheinen, springt auf die Betrachterin über. Ob das Foto ein Original aus der Familie Meyerhoff ist und die Hündin mit dem mittleren Bruder Martin zeigt? Wer das Buch gelesen hat, versteht meine Sentimentalität bei diesem Gedanken. In dem zweiten von drei Teilen der #alletotenfliegenhoch Serie erzählt Meyerhoff leise und gekonnt von seiner Kindheit. Ähnlich wie Knausgård in „Spielen“ habe ich mich oft gewundert, ob der Autor sich tatsächlich so detailliert an seine Erlebnisse als Kind erinnert oder ob doch mehr Fiktion vorliegt, als ich geglaubt habe. Darauf gibt er sogar eine Erklärung: „Erfinden heißt Erinnern“. #truestory. Wüsste ich nicht, dass der Roman größtenteils aus wahren Gegebenheiten schöpft, würde ich schreiben, Meyerhoff erwecke die Kleinstadt Schlesien im Norden Deutschlands buchstäblich zum Leben. Auf dem Gelände einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufzuwachsen ist aber auch Erste-Sahne-Romanstoff. Es ist oft mega witzig – und dann doch wieder echt niederschmetternd. Am Ende des Buches gibt es eine brutale Szene mit einer überfahrenen Katze, die mich in der U-Bahn leise hat aufstöhnen lassen (#unangenehm). Also: falls ihr es noch nicht herausgehört habt, bitte lest Joachim Meyerhoff.

Joachim Meyerhoff: Wann wird es endlich wieder so wie es nie war. Kiepenheuer und Witsch, 2015. 352 Seiten. € 9,99.

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